Iwan Franko

Ivan Franko

Iwan Franko (27. August 1856, Nahujewytschi, Galizien, Österreich-Ungarn, heute die Ukraine; † 28. Mai 1916 in Lemberg, Galizien) ist einer der bekanntesten ukrainischen Dichter, Schriftsteller und Dramatiker. Er war auch als Journalist, Literaturkritiker, Übersetzer tätig. Er zählt neben Taras Schewtschenko zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Ukraine und symbolisiert die Westukraine.
Er übte einen großen Einfluss auf die Herausbildung der modernen ukrainischen Literatur und die Entwicklung des nationalen ukrainischen Bewusstseins aus.
Ihm gehört die Initiative vom Gebrauch in Galizien des Begriffs „Ukrainer“ anstelle „Russinen“, so nannte sich die Stammbevölkerung in Galizien traditionell.
Seine berühmtesten Werke sind Gedichte „Steinbrecher“ und „Moses“, die Schüler in einer Schule auswendig lernen, und das Prosawerk „Boryslaw lacht“.
Auf dem Grabmal von Franko auf dem Lytschakiwski-Friedhof in Lemberg ist die Figur eines Steinbrechers nach dem gleichnamigen Werk dargestellt.
Grabmal von Iwan Franko
Zu seiner Ehren wurde die Stadt Stanislawiw 1962 im Rahmen der 300-Jahr-Feier in Iwano-Frankiwsk umbenannt. Seinen Namen tragen die Universität von Lemberg und das Drama-Theater in Kiew.
Sein Porträt ziert die 20 Hrywnja-Note.
Ivan Franko
Im Juli 2013 fand das zweite Festival „Franko. Mission“ statt, das dem Schriftsteller gewidmet war. Die bekannten Musiker aus verschiedenen Ländern der Welt haben Lieder auf Texte von Iwan Franko in zehn Sprachen gesungen[1].
Mit dem Auftreten Frankos beginnt eine neue Phase der Rezeption ukrainischen Literaturgutes im deutschsprachigen Raum. Der treffenden Feststellung Eberhard Reissners zufolge, spielte Iwan Franko “als geistiger Mittler zwischen den Slawen und Deutschen eine hervorragende Rolle”.[2]
Unter anderem übersetzte Franko „Das Vermächtnis“ von Schewtschenko ins Deutsche.
Einige Gedichte von Iwan Franko auf Deutsch finden Sie unter: http://de.wikisource.org/wiki/Iwan_Franko
Ach, wie sehnt sich meine Seele nach dir, meine Liebe!
Wenn ich denke an dich, mein Herzchen, wird das Auge mir trübe.
Tag’ und Nächte ich nur möchte deiner stets gedenken:
Ach, der Gram und Liebe wird mich noch ins Grab versenken!
Als ich einst dein holdes Antlitz sah zum erstenmal,
Wollt’ ich dir sogleich gestehen meines Herzens Qual.
Daß du liebest mich allein, wagt’ ich nicht zu sagen…
Ohne dich kann ich nicht leben und muß schier verzagen.
Eine Stunde wird zum Jahr mir, wenn ich dich nicht seh’,
Niemand in der Welt kann lindern meines Herzens Weh;
Wo ich immer bin und wandle, folget mir dein Schatten,
Träum’ ich oder wache, fühl’ ich stets um mich ihn flattern.
Zeuge warst du meiner Tränen, meiner Liebesschmerzen,
Gabst mir deine Hand und sprachst: Ich liebe dich von Herzen,
O ich liebe dich auf immer bis zu meinem Tod!
Siehe nur auf mich, dein Auge lindert meine Not!
Ich muß scheiden, muß dich meiden, hier mein Herze lassen,
Und ich schwör’ dir, keine andre liebend zu umfassen.
Waren’s ihrer auch Zehntausend, keine blick’ ich an,
Denn ich will dich nie verraten, meine Mariann’!
Lebe wohl und wohl ergeh’s dir! Harre treu in Liebe –
Denn du findest nirgends einen, der dir treuer bliebe.
Doch wenn sich ein andrer findet, der dein Herz gewinnt,
Künde mir’s, daß in der Fremde meinen Tod ich find’!
[1]ukrinform.ua
[2] Мykola Zymomrya, Übersetzung als Paradigma von ukrainisch-deutschen interkulturellen Kontaktbeziehungen: Wesen der deutschsprachigen Interpretationen von Iwan Frankos Werken.