Lesja Ukrajinka

Lesja Ukrajinka (25.02.1871 – † 01.08.1913) wurde unter dem Namen Laryssa Kosatsch in Nowhorod-Wolynskyj, in der Ukraine geboren. Sie war eine bedeutendste ukrainische Dichterin, Dramatikerin und Übersetzerin.
Lesja Ukrajinka
Seit ihrer Kindheit war sie sehr begabt. Mit 4 Jahren konnte sie schon lesen; mit 9 Jahren schrieb sie ihr erstes Gesicht „Hoffnung“ [1]:
Kenn weder die Freiheit noch Freude und Glück,
Im Herzen blieb mir nur die Hoffnung zurück.
Die Heimat noch einmal wiederzusehen,
Wo Winde und Stürme die Hüttenumwehen,
Zu sehen den Dneper durchbrausen die Ferne –
Ach, leben und sterben möcht’ ich dort so gerne, –
Die Steppen zu sehen, der Trauben Geranke
Und dort auch zu denken den letzten Gedanken.
Kenn weder die Freiheit noch Freunde und Glück,
Im Herzen blieb mir nur die Hoffnung zurück.
(Übers. Jona Gruber)
Als sie 13 Jahre alt war, wurden zwei ihre Gedichte in Lemberger Zeitschrift „Sorja“ unter Pseudonym Lesja Ukrajinka veröffentlicht. (Ukrajinka heißt die Ukrainerin)Lesja Ukrajinka
Seit dem zwölften Lebensjahr litt sie zeitlebens an Tuberkulose-Erkrankung. Im Zusammenhang damit war sie gezwungen, das nahe und ferne Ausland mit trockener Klima rekreationsbedingt zu besuchen. Sie war in Deutschland, Italien, Ägypten und Georgien, auf der Halbinsel Krim.
Wegen der Krankheit besuchte sie keine öffentliche Schule und wurde von ihrer Mutter und von dem Onkel unterrichtet.
Neben der Muttersprache sprach sie gut Russisch und deutsch sowie sieben weitere Sprachen. Am Ende beherrschte sie 14 Sprachen.
1892 erschien in Lemberg das Buch von Heinrich Heine [2] mit den 92 von Lesja Ukrajinka übersetzten Gedichten. Daneben übersetzte sie polnische, russische, englische und italienische Autoren. Z. B. ein Gedicht von Heinrich Heine:
Ніч тиха, всі вулиці в сні спочивають.
Колись моя люба в сій хаті жила;
Її вже немає, її тут не знають,
Оселя ж лишилася та, що й була.
І там хтось стоїть, вгору глянув, здригнувся
І в розпачі руки ламає свої;
Ось місяць його освітив, – я жахнувся:
Обличчя і постать у нього – мої!
Ти, марище бліде! ти, тінь моя власна!
Нащо мене дражниш коханням моїм?
І так не забута година нещасна,
Як серцем я рвався на місці отсім!
(Übers. Lesja Ukrajinka)
Trotz des ständigen Kampfs mit der Krankheit war ihr Werk immer lebensbejahend, voll von Optimismus, Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit [3].
Contra spem spero.
(„Gegen die Hoffnung hoffe ich“)
О fort mit dir, herbstliches Klagen!
Die Tage des Frühlings beginnen!
Soll denn in Verzweiflung, Verzagen
Die sonnige Jugend zerrinnen?
Ich will aber Frohsinn, nicht Beben,
Mein Lied soll im Unglück ertönen.
Auch hoffnugslos hoff ich im Leben. —
О fort mit euch, Ächzen und Stöhnen!
Ich pflanze auf steinigem Felde
Viel Blumen, die rot sind und weiß,
Ich pflanze bei frostiger Kälte
Sie alle auf Schnee und auf Eis.
Mit heißen Tränen begieße
Ich sie bei klirrendem Frost,
Das Eis zergeht, vielleicht sprießen
Sie doch auf, und das ist mein Trost.
Ich schleppe aufs steilste Gebirge
Viel klobige Steine und singe,
Sonst würden die Schreie mich würgen.
Die in die Kehle mir dringen.
Ich schließe die Augen auch nimmer
Und schaue ins Dunkel ganz wach,
Ich suche des Sternes Erschimmern,
Des Königs der finsteren Nacht.
Drum will ich stets Frohsinn, nicht Beben,
Mein Lied soll im Unglück ertönen,
Auch hoffnungslos hoff ich im Leben, —
О fort mit euch, Ächzen und Stöhnen!
(Übers. Jona Gruber)
Ihr Beitrag in die Entwicklung der ukrainischen Sprache und der ukrainische Folklore kann man kaum überschätzen. Ihre Poeme sind volksnah und beinhalten Volkssujets.
Sie schrieb bis zu ihrem Tod 1913 in Georgien, in der Stadt Surami. Ihr Leichnam wurde nach Kiew überführt, wo sie auf dem Bajkowe-Friedhof beerdigt wurde.
Die Ukrainer verehren große Dichterin:
– in Kiew gibt es den Boulevard und den Platz Lesja Ukrajinka sowie viele Straßen in anderen Städten tragen ihren Namen;
Denkma für Lesja Ukrajinka in Kiew

Denkma für Lesja Ukrajinka in Kiew

– das nationale Akademietheater des russischen Dramas (Kiew) und Musik-und Drama-Theater (Dniprodsershinsk) namens Lesja Ukrajinka;
– die Osteuropäische Nationale Lesja-Ukrainka-Universität in Luzk;
– vier Museen für Lesja Ukrajinka in Kiew, Jalta, Nowhorod-Wolynskyj und Kolodjazhne;
– die Denkmäler in Kiew, Luzk, Balaklawa und Toronto;
– es gibt eine Gedenktafel auf der Fassade eines Hauses in Berlin, wo sie zu einem Klinikaufenthalt war.
– das Porträt der Dichterim ziert den 200-Hrywnja-Schein.
Lesja Ukrajinka
[1]
Ні долі, ні волі у мене нема,
Зосталася тільки надія одна:
Надія вернутись ще раз на Вкраїну,
Поглянути ще раз на рідну країну,
Поглянути ще раз на синій Дніпро, –
Там жити чи вмерти, мені все одно;
Поглянути ще раз на степ, могилки,
Востаннє згадати палкії гадки…
Ні долі, ні волі у мене нема,
Зосталася тільки надія одна.
[2]
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
In diesem Hause wohnte mein Schatz;
Sie hat schon längst die Stadt verlassen,
Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.
Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe,
Und ringt die Hände, vor Schmerzensgewalt;
Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe –
Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.
Du Doppelgänger! du bleicher Geselle!
Was äffst du nach mein Liebesleid,
Das mich gequält auf dieser Stelle,
So manche Nacht, in alter Zeit?
(Heinrich Heine)
[3]
Гетьте, думи, ви, хмари осінні!
То ж тепера весна золота!
Чи то так у жалю, в голосінні
Проминуть молодії літа?
Ні, я хочу крізь сльози сміятись,
Серед лиха співати пісні,
Без надії таки сподіватись,
Жити хочу! Геть думи сумні!
Я на вбогім сумнім перелозі
Буду сіять барвисті квітки,
Буду сіять квітки на морозі,
Буду лить на них сльози гіркі.
І від сліз тих гарячих розтане
Та кора льодовая, міцна,
Може, квіти зійдуть – і настане
Ще й для мене весела весна.
Я на гору круту крем’яную
Буду камінь важкий підіймать
І, несучи вагу ту страшную,
Буду пісню веселу співать.
Я співатиму пісню дзвінкую,
Розганятиму розпач тяжкий, –
Може, сам на ту гору крутую
Підійметься мій камінь важкий.
В довгу, темную нічку невидну
Не стулю ні на хвильку очей,
Все шукатиму зірку провідну,
Ясну владарку темних ночей.
Я не дам свому серденьку спати,
Хоч кругом буде тьма та нудьга,
Хоч я буду сама почувати,
Що на груди вже смерть наляга.
Смерть наляже на груди важенько,
Світ застеле суворая мла,
Але дужче заб’ється серденько,
Може, лютую смерть подола.
Я не дам свому серденьку спати,
Хоч кругом буде тьма та нудьга,
Хоч я буду сама почувати,
Що на груди вже смерть наляга.
Буде погляд мій вельми палати,
Може, згинуть всі хмари сумні,
Може, зірка, як буде сіяти,
Ясний промінь пошле і мені.
Смерть наляже на груди важенько,
Світ застеле суворая мла,
Але дужче заб’ється серденько,
Може, лютую смерть подола.
Так! я буду крізь сльози сміятись,
Серед лиха співати пісні,
Без надії таки сподіватись,
Буду жити! Геть думи сумні!