Museen

Nationales Museum der Hungersnot und des Genozids

Museum der Hungersnot und des Genozids

Das Nationale Museum der Hungersnot und des Genozids (frühere Namen: bis 2015 das Nationale Museum “Mahnmal des Gedenkens an die Opfer der Hungersnöte in der Ukraine, dann bis September 2019 das Nationale Museum “Mahnmal für Opfer der Hungersnot”) befindet sich der Lawrska-Straße, 15.

Der erste Bauabschnitt für die Verewigung des Gedenkens an Millionen Menschen, die 1932-1933 an der künstlichen Hungersnot gestorben sind, wurde 2008-2010 errichtet. Diese Hungersnot wurde zu einem Instrument, dem Genozid gegen das ukrainische Volk.

Das Museum wurde am 8. Juli 2009 auf Befehl des Ministerkabinetts der Ukraine gegründet, tatsächlich eröffnet wurde es im August 2009.

Gedenkkerze
Gedenkkerze

Das Mahnmal wird von offiziellen ausländischen Delegationen besucht, weil das Nationale Museum im staatlichen Protokoll und Zeremoniell inkludiert ist.

Man plant einen zweiten Bauabschnitt – ein freistehendes Einzelgebäude.

Das Museum besteht aus dem Gedenkteil, mit den beiden Engeln am Eingang zum Mahnmal, der Gedenkkerze, der Mädchenskulptur “Bitteres Gedächtnis der Kindheit”, die mit Getreideähren in den Händen auf dem Platz mit den “Mühlsteinen des Schicksals” steht, und der Allee der “Schwarze Tafeln”) sowie dem Saal des Gedenkens, welcher als ein Museum fungiert.

Platz vor dem Museum der Hungersnot
Platz vor dem Museum der Hungersnot

Am Anfang der Allee, am Eingang zur Gedenkstätte, stehen an beiden Seiten Engelskulpturen. Dies sind die Wachen der Geister der durch Hunger Verstorbenen. Diese Komposition ist eine Art Portal, hinter dem das Territorium der Gedenkstätte beginnt.

Zwei Engel am Eingang
Zwei Engel am Eingang

Im Zentrum des Platzes ist ein Kreis gebildet, an dessen Außenseite Mühlsteine liegen. Mühlsteine sind ein übliches Werkzeug der ukrainischen Bauer, mit dem Getreide zu Mehl gemahlen wurde. Jede ukrainische Familie hat Getreide selbst zu Mehl gemahlen, aus dem dann Brot gebacken wurde. Die Mühlsteine waren seit jeher für die Ukrainer wie eine unabänderliche Eigenschaft der Existenz, wie ein Symbol des Lebens. Zur Zeit der Hungersnot zogen sie die Aufmerksamkeit der sogenannten Aktivisten auf sich – sie beschlagnahmten und zerbrachen die Mühlsteine, um den hungernden Bauern die Möglichkeit zu nehmen, andere Getreidekörner zu mahlen und damit Lebensmittel zuzubereiten.

Engel
Engel

Dabei “mahlten” die Mühlsteine menschliches Leben. Stilisierte Mühlsteine am Platz symbolisieren 24 Stunden am Tag und jenen Fakt, dass 24.000 hungernde ukrainische Bauer innerhalb von 24 Stunden starben.

Im Zentrum des Platzes befindet sich die Mädchenskulptur “Bitteres Gedächtnis der Kindheit”, die an ein tragisches Schicksal der schwächsten Bevölkerungsschicht – an die Kinder – erinnert.

Mühlsteine
Mühlsteine

Die 5 Weizenähren in den Händen des Mädchens symbolisieren das berüchtigte “Gesetz der 5 Ähren”. Es geht um das “Gesetz zum Schutz des sozialistischen Eigentums”. Für Diebstahl des Kolchosbesitzes sah das Gesetz die Erschießung oder 10 Jahre Inhaftierung vor. Kinder, die Weizenähren auf den Feldern sammelten, die unlängst ihren Eltern gehörten, wurden ebenfalls verurteilt.

Mädchen mit Ähren
Mädchen mit Ähren

Der Hauptteil des Mahnmals bildet die Gedenkkerze. Sie gilt als ein Symbol für die Unauslöschlichkeit der Hungersnot aus dem Gedächtnis des ukrainischen Volkes.

Die Kerze ist 30 m hoch und mit verschiedengroßen Glaskreuzen ornamentiert. Die Kreuze symbolisieren die Seelen der Verstorbenen. Kleine Kreuze sind für kleine Kinder, große Kreuze sind für Erwachsene. Die Basis der Kerze sind vier schwarze Metallkreuze, die einem Gefängnisgitter ähnlich sind. Vor der Kerzen steht die Skulpturkomposition “Begehren des Lebens” – die die Flugbahn eines Storches, der aus einer Steinumklammerung herausbricht und in den Himmel strebt, zeigt. Er bezeichnet den Aufstieg der vom Hunger gequälten Ukrainer in den Himmel. Der Flug des Storches ist auch ein Symbol für die Wiedergeburt der Ukraine und die Unerschütterlichkeit des Geistes des ukrainischen Volkes.

Storch

Storch

Am Fuß der Kreuze sind Daten der Hungersnot, des Genozids 1932-1933, der Hungersnot 1921-1922 und 1946-1947, eingraviert.

Im Gedenksaal sind Haushaltsgeräte der Bauerschaft aus den 20er und 30er Jahren dargestellt, die an der Hungersnot gelitten haben. Hier sind auch 19 Bänder des Gedenkbuchs für die Opfer der Hungersnot ausgestellt. Ein großes Martyrologium, das Informationen über fast 900.000 Opfer in der Zeit von 1932-1933 beinhaltet. Es gibt auch zahlreiche Materialien, die über die Hungersnot berichten.

Im Saal sind Monoblöcke, die mit Archivdokumenten, Fotos, Augenzeugenberichten und Karten des Projektes “Digitaler Atlas der Hungersnot” gefüllt sind. In der Galerie werden temporäre Ausstellungen präsentiert und Dokumentarfilme über die Hungersnot gezeigt.

Die Exposition ist so aufgebaut, dass man die Atmosphäre der 30-er Jahre spüren kann und chaotisch eingerichtete Haushaltsgeräte spiegeln die Atmosphäre der Kollektivierung wieder.

Am Ein- und Ausgang des Saals sind Fotos aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu sehen, die das Leben der Generation zeigt, die die Hungersnot nicht überstanden hat. Es ist eine Erinnerung an die verlorene Generation.

Aus dem Gedenksaal führt der Weg zur Allee der “Schwarzen Tafeln”. Es handelt sich hierbei um Granittafeln, auf denen die Namen der Ortschaften eingraviert sind, die unter der Hungersnot gelitten haben. Bis heute haben Wissenschaftler 14.000 Orte gefunden, von insgesamt 53.000 Orten, die zur sowjetischen Ukraine gehörten. Jeden Tag finden Forscher neue Dokumente und neue Fakten zu der Geschichte der Hungersnot.

Deshalb ist die Liste noch lange nicht komplett, die Arbeit setzt sich fort.

Jedes Jahr am vierten Donnerstag im November werden Veranstaltungen anlässlich des Gedenktages an die Opfer der Hungersnot durchgeführt.

Unter Redaktion von Marcus Lebe (Danke, Marcus!♥)

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