Sitten und Bräuche

Masnyzja

Masnyzja

Die letzte Woche vor der Fastenzeit heißt Masnyzja. Wie der deutsche Karneval ist sie eine ursprünglich heidnische und keine christlich-orthodoxe Feier; doch seit der Christianisierung der Kiewer Rus, entspricht sie dem christlichen Festzyklus.

In der Ukraine war Masnyzja nicht so populär wie z. B. in Russland, trotzdem waren einige Sitten und Bräuche ähnlich: Schlitten fahren, zu Gast gehen, ein gemeinsames Festessen organisieren.

Das Hauptgericht der Masnyzja waren Wareniki mit Quark, die traditionell mit Butter und Smetana  gegessen wurden. Man buk auch die mit Schmalz legierten Mlynzi (Eierkuchen).

Eierkuchen

Sehr populär war Masljanka, oder Skolotyny (Buttermilch).

Das Hauptgetränk war Nalywka (Fruchtlikör).

Nach der kirchlichen Tradition nannte diese Woche auch Quarkwoche, wegen der Gerichte, die in dieser Woche gegessen wurden. Jeden Tag durfte man Milch, Eier und Fischgerichte essen, aber kein Fleisch.

Das war die letzte Woche vor der Fastenzeit, wenn man heiraten durfte.

Die Woche hieß auch die Weibwoche. Die Männer mussten ihren Frauen gehorchen, als auch Hohn und Spott ertragen.

Am Freitag luden die Schwiegermütter ihre Schwiegersöhne zu Gast, um mit Mlynzi zu bewirten.

Der Sonntag war der wichtigste Tag der Woche. Man bat einander um Verzeihung. Man sagte einem Nachbarn oder einem Verwandten:

– Verzeih mir!

– Gott wird verzeihen!

– Zum zweiten Mal verzeih mir!

– Gott wird verzeihen!

– Zum dritten Mal verzeih mir!

– Gott wird verzeihen!

Nach diesem Dialog musste man einander küssen. Man nahm allgemein an, dass eine früher zugefügte Beleidigung auf solche Weise ein sündiges Wesen verliert.